Diese Informationen stammen von der Website der Studienvertretung Translation: www.stv-translation.at

#unibrennt

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#unibrennt ist der Name einer (bildungs-)politischen Bewegung, die anlässlich der Studierendenproteste im Herbst 2009 entstand. Im Zuge dieser wurden an vielen österreichischen Universitäten Hörsäle teilweise längerfristig besetzt, darunter auch das Audimax der Wiener Hauptuniversität, der größte Hörsaal des Landes. Durch die große mediale Aufmerksamkeit wurde in Folge eine grundlegende Bildungsdebatte in Österreich ausgelöst.

Inhaltsverzeichnis

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    zuletzt aktualisiert am 22. März 2011

    #unibrennt online

    Informationen zu #unibrennt, zu aktuellen Veranstaltungen und dazu, wie du selbst Teil der Bewegung werden kannst, findest du auf der Website von #unibrennt. Über Neuigkeiten informiert #unibrennt außerdem via Facebook und Twitter.

    #unibrennt vom Anfang bis heute

    Die Proteste beginnen am 22. Oktober 2009 mit einer mehrere hundert Personen zählenden Demonstration gegen den Bologna-Prozess, organisiert von Studierenden der Universität Wien und der Akademie der Bildenden Künste. Als der Demonstrationszug im Hauptgebäude der Universität endet, wird in einer spontanen Abstimmung die Besetzung des Audimax, dem größter Hörsaal Österreichs im Hauptgebäude der Universität Wien, beschlossen.

    Von da an finden regelmäßige basisdemokratische Plena statt, in denen Forderungen und weitere Vorgangsweisen erarbeiten werden. Zahlreiche Arbeitsgruppen bilden sich, die sich einerseits mit politischen Inhalten und andererseits mit der Infrastruktur des selbstbestimmten Lebens in der Uni beschäftigen. So kümmert sich die Volxküche vom ersten Tag an kulinarisch um die Protestierenden, eine eigene Erste-Hilfe-Station wird eingerichtet, Putztrupps werden gebildet, und die AG (Arbeitsgruppe) Doku hält das Geschehen in einem Film, der später auch ins Kino kommt, fest. Forderungen werden ausgearbeitet, Aktionen geplant, internationale Kontakte geknüpft und Neuigkeiten über das Internet (vor allem via Social Networks wie Twitter oder Facebook) verbreitet. Österreich ist mit den katastrophalen Zuständen im Bildungsbereich nicht alleine; schon bald erreicht der Widerstand auch andere Universitätsstädte in Europa, in denen ebenfalls Hörsäle und andere Räumlichkeiten besetzt werden.

    Das Leben im Audimax hat sich unterdessen eingespielt; neben großen Aktionen wie der Demonstration am 28. Oktober oder dem bundesweiten Bildungsaktionstag am 5. November finden viele kleinere Veranstaltungen statt, in denen unter anderem Prominente wie Jean Ziegler, Christian Felber, Robert Menasse, Josef Hader, Maschek, die Band Anti-Flag etc. sich solidarisch erklären und Reden, Kabarettistisches oder Musikalisches vortragen. Die Vertreter*innen von Universität und Politik hingegen lassen lange auf sich warten. Georg Winckler, der damalige Rektor der Universität Wien, entschließt sich erst nach sechs Wochen, dem Audimax einen Besuch abzustatten; Wissenschaftsminister Hahn weigert sich von vornherein und flieht nach einigen Tagen nach Brüssel, um einen EU-Kommissarsposten anzunehmen. Auch mit seiner Nachfolgerin Beatrix Karl lässt sich keine geeignete Gesprächsbasis finden. Der von ihr initiierte Hochschuldialog wird von den meisten Studierenden als Alibiprojekt angesehen.

    Nachdem die Proteste im Laufe der Zeit an Dynamik verlieren, wird das Audimax am 21. Dezember 2010 nach knapp zweimonatiger Besetzung geräumt, was aber keineswegs das Ende der #unibrennt-Bewegung bedeutet. Weitere Aktionen finden zum Beispiel im März 2010 während des Bologna-Gipfels in Wien als Gegenveranstaltungen in Form von Demonstrationen, einer kurzfristigen Hörsaalbesetzung im NIG (Neuen Institutsgebäude) und einem Gegengipfel am Uni-Campus statt; im Oktober entwickelte sich aus einer „alternativen Vollversammlung“ – einer Gegenveranstaltung zu der von ÖH, Rektorat, Unirat, Senat und Betriebsrat organisierten Vollversammlung der Universität Wien – eine erneute Besetzung des Audimax, die allerdings nur eine Nacht lang dauert.

    Die Forderungen bleiben grundsätzlich gleich bzw. werden stetig noch erweitert, da sich an den verheerenden Bedingungen in Österreichs Bildungssystem (auch inzwischen) noch nichts verbessert hat. Nach wie vor kämpfen Studierende für mehr Rechte, eine faire Hochschulpolitik und bessere Bildung. Der #unibrennt-Forderungskatalog umfasst unter anderem:

    • Demokratisierung der Universitäten: Budgettransparenz, selbstverwaltete Organisation unter Einbeziehung von Professor*innen, Studierenden, wissenschaftlichem und nichtwissenschaftlichem Personal
    • Bestimmungen zur Antidiskriminierung: Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes, Frauenquote, Förderung von Migrant*innen, gleiches Recht unabhängig von Staatsbürger*innenschaft und Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Queeren
    • Stopp der Ökonomisierung von Bildung: freier Hochschulzugang, keine Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, ausreichende Finanzierung der Universitäten
    • Selbstbestimmtes Studieren: Abschaffung von Studieneingangsphasen, Voraussetzungsketten und intransparenten Anmeldesystemen, Gewährleistung der Anrechenbarkeit von Lehrveranstaltungen/Abschlüssen, freie Zugänge zu allen Studienrichtungen

    Mit der Tatsache, dass diese Forderungen leider noch keineswegs Realität sind, haben wir tagtäglich zu kämpfen – seien es fehlende Plätze in prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen oder Voraussetzungsketten, die unser Studium verzögern, seien es Aufnahmeprüfungen, Studiengebühren oder sonstige finanzielle Hürden, die uns von unserem Traumstudium abhalten oder erlebte Diskriminierung in unserem Umfeld. Im Gegenteil, die ohnehin schon schlechte Gesamtsituation verschlechtert sich konstant. Schuld daran trägt auch die undurchdachte Durchführung des Bologna-Prozesses. Neu geschaffene Bachelorstudien sind auf drei Jahre volle Konzentration ausgelegt, was für den Großteil der Studierenden, der arbeiten muss, um sich das Studium zu finanzieren, unweigerlich zu Problemen führt. Der Schweizer Soziologe und UN-Botschafter Jean Ziegler fasste seine Kritik am Bologna-Prozess treffend in drei Hauptpunkten zusammen: eine Selektion nach der anderen durch den geschaffenen Prüfungshindernislauf, das Lernen von fraktioniertem Wissen ohne Kausalzusammenhänge zu erforschen und das entstandene Konkurrenzdenken, das keine kollektive Intelligenz aufkommen lässt.

    Rückgängig machen lässt sich der Bologna-Prozess zwar nicht mehr, aber für dessen Überarbeitung sowie für andere Forderungen im Bildungsbereich lohnt es sich durchaus einzutreten und zu kämpfen. Durch die anhaltenden Proteste wurde erstmals seit langem wieder ernsthaft über Bildung diskutiert; „Audimaxismus“ wurde zum Wort, „Reiche Eltern für alle!“ zum Spruch des Jahres 2009 gewählt. Politik und Gesellschaft auf die Missstände aufmerksam zu machen, ist der erste Schritt zu einer besseren (Bildungs-)Zukunft. Denn: Wessen Uni? Unsere Uni!

    Solidaritätserklärung der Studierenden des Zentrums für Translationswissenschaft

    Als die Nachricht der Besetzung des Audimax das Zentrum für Translationswissenschaft erreichte, wurde ein offenes Plenum einberufen, im Rahmen dessen über die Forderungen der Audimax-Besetzer*innen diskutiert wurde und schließlich abgestimmt wurde, welche der Forderungen die Studienvertretung Translation und die Studierenden des Zentrums für Translationswissenschaft allgemein unterstützen wollen. Es wurden alle Forderungen als unterstützenswert beschlossen, zusätzliche Forderungen speziell für die Situation der Studierenden am Zentrum für Translationswissenschaft formuliert und der folgende Text veröffentlicht:

    Kurz und bündig: die Zustände an der Universität Wien sind katastrophal. Auch das Zentrum für Translationswissenschaft ist nicht ausgenommen, im Gegenteil, Studierende der Studien Transkulturelle Kommunikation (Bachelor), Dolmetschen (Master) und Übersetzen (Master) müssen immer wieder aufs Neue darum kämpfen, überhaupt studieren zu können. Studierenden wird vorgeworfen, ihr Studium nicht richtig zu planen, gleichzeit werden ihnen aber immer mehr Hürden in den Weg gelegt, die von Semester zu Semester ohne rechtzeitige Warnung auch immer wieder umgestaltet werden. Ein unübersichtliches, fehleranfälliges Anmeldesystem (Univis), zu wenige Plätze in prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen und Voraussetzungsketten führen dazu, dass viele Studierende trotz Motivation und guter Noten einfach nicht studieren können, oft mehrere Semester lang auf einen Platz in einer Übung hoffen müssen, ohne deren Abschluss sie weder weiterstudieren noch auf andere Lehrveranstaltungen ausweichen können. Das Vorankommen im Studium ist also von einem undurchschaubaren Glücksspiel und dem guten Willen einiger weniger abhängig.

    Dies alles ist auf das Bestreben zurückzuführen, der durch den massiven Geldmangel enstandene Situation durch Drosselung der Studierendenzahlen entgegenzuwirken. Anstatt allen das Studieren zu ermöglichen, wird es also manchen erschwert und vielen unmöglich gemacht.

    Wir, die Studierenden vom Zentrum für Translationswissenschaft, erklären uns deswegen mit allen Besetzerinnen und Besetzern des Audimax solidarisch und unterstützen die formulierten Forderungen Zusätzlich fordern wir:

    • Mehr Transparenz auf allen Ebenen der Universität, mehr Einbindung der Studierenden durch die Studienvertretung und die Studierenden selbst in Entscheidungen
    • Keine im Alleingang gefällten und kurzfristig bekanntgegebenen Entscheidungen der Studienprogrammleitung und anderer Organe
    • Keine Diskrimierung von Nicht-EU-Bürgern und -Bürgerinnen in allen universitären Belangen, darunter (passives) Wahlrecht, Studienbeihilfen, Leistungsstipendien etc.
    • Ein ausreichendes Lehrveranstaltungsangebot, generell und vor allem für Sprachen, die von weniger Studierenden gewählt werden, und kein Ausschließen von Studierenden aus Lehrveranstaltungen anderer Studienrichtungen (Romanistik, Japanologie, Sinologie), die im Rahmen der Studien des Zentrums für Translationswissenschaft besucht werden müssen

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